Arbeitszeugnis korrigieren lassen

Das Arbeitszeugnis gibt anderen Unternehmen Auskunft über Ihre beruflichen Leistungen. Dadurch wird es zu einer entscheidenden Bewerbungsunterlage. Was aber, wenn Sie mit den darin enthaltenen Bewertungen nicht einverstanden sind? Wann und wie kann man ein Zeugnis ändern lassen?

Arbeitszeugnis korrigieren lassen

Mögliche Schritte zur Korrektur des Arbeitszeugnisses + mit Musterschreiben zum Widerruf

Warum ist das Arbeitszeugnis eigentlich so wichtig?

Bei uns, in Deutschland, stehen in Bewerbungen keine Referenzen (im Sinne von Fürsprechern) wie in anderen Ländern im Mittelpunkt. In Deutschland übernehmen Arbeitszeugnisse die Funktion der Referenzen. Das Arbeitszeugnis wird vom Arbeitgeber beim Verlassen des Unternehmens für den Mitarbeiter erstellt (siehe § 109 Gewerbeordnung). Es beschreibt Aufgabenbereiche, die der Mitarbeiter wahrgenommen hat, und bewertet persönliche und fachliche Fähigkeiten. Das Arbeitszeugnis ist für Bewerbungen in Deutschland also sehr wichtig, da es einem potentiellen neuen Arbeitgeber Informationen zur Qualität des Mitarbeiters liefert!

Aber ein Arbeitszeugnis muss doch immer „gut“ sein, oder?

Beim Arbeitszeugnis gilt der Grundsatz der wohlwollenden Formulierung. Wohlwollend bedeutet, es darf dem Mitarbeiter keine Steine in den Weg legen. Der Arbeitgeber soll sich auf die Stärken des Mitarbeiters konzentrieren und nicht auf dessen Schwächen. Das heißt aber nicht automatisch im Umkehrschluss, dass jeder Mitarbeiter hochgelobt wird! Das Arbeitszeugnis muss weiterhin ein realistisches Bild für andere Unternehmen liefern, ansonsten verfehlt es den Sinn. Insofern stellt sich natürlich die Frage, wie Sie als Arbeitnehmer damit umgehen, wenn Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis nicht zufrieden sind.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, ein Arbeitszeugnis nachträglich durch den Aussteller korrigieren zu lassen. Das ist dann der Fall, wenn in dem Arbeitszeugnis:

  • formale (im Sinne von rechtliche) Vorschriften nicht eingehalten wurden
  • Inhalte (Tätigkeitsbereiche und Bewertungen) unvollständig oder falsch wiedergegeben wurden
  • und die Berichtigung innerhalb einer Frist eingefordert wird.

Bis wann kann ich eine Korrektur für mein Arbeitszeugnis einfordern?

Arbeitszeugnisse müssen zeitnah zum Ausscheiden des Mitarbeiters aus dem Unternehmen erstellt werden. Die Rechtsprechung hat sich im Verfahrensgang LAG Mainz 14.3.2002, 1 Sa 1433/01 dazu geäußert, dass eine Korrektur nur bis 10 Monate nach Erhalt des Arbeitszeugnisses gefordert werden kann. Ist dieser Zeitraum verstrichen, ist eine Anpassung des Arbeitszeugnisses verwirkt.

Aber wie kann ich mein Arbeitszeugnis nun korrigieren lassen?

Voraussetzung für eine Korrektur ist zunächst die oben erwähnte Einhaltung der Frist von 10 Monaten. Liegen Sie in dieser Frist, können Sie wie folgt vorgehen.

Schritt 1: Reden Sie persönlich mit dem Arbeitgeber

Unterstellen Sie dem Arbeitgeber zunächst nichts Böses. Natürlich sollte sich der Schreiber eines Arbeitszeugnisses im Zeugnisjargon auskennen. Aber besonders in kleineren Unternehmen sind die Mittel oft sehr begrenzt. Dort werden viele Aufgaben durch wenige Mitarbeiter wahrgenommen und nicht jeder kennt sich mit der Erstellung eines Arbeitszeugnisses aus. Wählen Sie daher im ersten Schritt die zwischenmenschliche Ebene und reden Sie mit dem Arbeitgeber in einem Vier-Augen-Gespräch über Ihr Arbeitszeugnis und Ihre Beanstandungen. Ein Rechtsanwalt ist hier fehl am Platz und würde die Situation nur eskalieren lassen! Nehmen Sie am besten für die beanstandeten Passagen oder das Arbeitszeugnis insgesamt eine berichtigte Version mit.

Weigert sich der Arbeitgeber Ihr Zeugnis zu korrigieren …

Schritt 2: Legen Sie schriftlich Widerspruch ein

Zunächst sollten Sie beachten, dass Eindrücke zu einem Arbeitszeugnis häufig subjektiver Natur sind. Daher empfehlen wir Ihnen, das Arbeitszeugnis fachlich von einer weiteren Person prüfen zu lassen. Die Prüfung sollte von jemanden ausgehen, der sich mit der Geheimsprache des Arbeitszeugnisses auskennt. Das kann ein Bekannter von Ihnen sein oder ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht.

Hält auch diese Person eine Korrektur des Arbeitszeugnisses für erforderlich, bitten Sie den Arbeitgeber formal um Berichtigung. Wichtig ist, dass der Widerspruch schriftlich mit Fristsetzung eingelegt wird. Der Widerspruch sollte auch die beanstandeten Passagen mit den Alternativformulierungen beinhalten.

Musterschreiben für den Widerspruch

Max Mustermann

Musterstraße 5

01277 Musterhausen

Muster GmbH

An der Sonnenallee 11

D-01292 Sonneburg

Musterhausen, 19.11.2015

Widerruf zu meinem Arbeitszeugnis vom 01.11.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 01.11.2015 habe ich von Ihnen ein Arbeitszeugnis erhalten. Leider entspricht das Arbeitszeugnis nicht den gesetzlichen Ansprüchen an ein ordnungsgemäßes, wohlwollendes Zeugnis gemäß § 109 Gewerbeordnung (GewO) / bzw. für Auszubildende § 16 Berufsbildungsgesetz (BBiG).

Folgende Passagen beanstande ich:

  1. Er hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt.
  2. Er trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.
  3. Er hat sich stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.

Ich fordere Sie daher auf, mir bis zum 19.12.2015 ein berichtigtes Arbeitszeugnis auszustellen, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ein von mir korrigiertes Arbeitszeugnis liegt diesem Schreiben bei. Sollte die Frist ergebnislos verstreichen, werde ich mir rechtlichen Beistand nehmen, um meinen Anspruch gerichtlich durchsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Max Mustermann

Unterschreiben Sie den Widerruf handschriftlich und lassen Sie sich den Erhalt schriftlich bestätigen.

Verstreicht auch diese Frist ergebnislos, verbleibt Ihnen noch der letzte Schritt.

Schritt 3: Klage vor dem Arbeitsgericht

Sie können die Berichtigung Ihres Arbeitszeugnisses auch auf dem rechtlichen Weg, über den Gang zum Arbeitsgericht einklagen.

Beachten Sie hier aber die Behandlung der Nachweispflicht. Wenn das aktuelle Arbeitszeugnis einem „Durchschnittszeugnis“ entspricht, liegt die Nachweispflicht für ein besseres Arbeitszeugnis bei Ihnen – dem Arbeitnehmer. Liegt es dagegen unter dem Durchschnitt, muss der Arbeitgeber dem Gericht nachweisen, dass der Mitarbeiter tatsächlich so schlechte Leistungen erbracht hat. Als Nachweis können Zwischenzeugnisse oder Beurteilungen aus Jahresgesprächen verwendet werden.

Das bringt uns zur letzten Frage: Was ist eigentlich ein „durchschnittliches Arbeitszeugnis“? Hier scheiden sich leider die Geister. In der Vergangenheit wurde eine befriedigende Bewertung mit Schulnote 3 zugrunde gelegt. Mittlerweile ist der Durchschnitt meist schon bei der Schulnote 2 („gut“) angesiedelt.

Auf was muss ich bei der Korrektur unbedingt achten?

Es wird immer ein neues Zeugnis ausgestellt. Die Passagen dürfen im alten Arbeitszeugnis nicht einfach nur ersetzt werden. Niemand darf erkennen, dass das Arbeitszeugnis im Nachhinein berichtigt wurde. Es dürfen auch nur die beanstandeten Passagen geändert werden, der Rest des Arbeitszeugnisses muss bestehen bleiben. Eine Ausnahme ist nur dann gegeben, wenn der Arbeitgeber von bestimmten Dingen, die eine Änderung rechtfertigen, erst nach dem Schreiben des ursprünglichen Arbeitszeugnisses erfahren hat.

Schlussbetrachtung

Wenn Sie sich für eine Stelle bewerben, muss immer das letzte Arbeitszeugnis mitgeschickt werden. Es kann Türen öffnen oder verschließen. In Absagen werden Sie nie direkt erfahren, was zum Ausschluss Ihrer Bewerbung geführt hat. Auch für den Laien vermeintlich gut klingende Passagen, können negative Bewertungen enthalten. Wir empfehlen Ihnen daher, nach Erhalt Ihr Arbeitszeugnis immer durch eine fachkundige Person prüfen zu lassen und gegebenenfalls eine Berichtigung des Zeugnisses anzufordern.

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Stephan Reins

Dieser Beitrag wurde von Stephan Reins verfasst. Er entwickelt für www.Bewerbung-Tipps.com Mehrwertdienste, wie den Bewerbungs-Editor. Darüber hinaus ist er spezialisiert auf Themen rund um die Bewerbung und gibt sein Wissen hier an Interessierte weiter. Folge ihm auf Google+, um über neue Beiträge sofort informiert zu werden.