Bewerbung 50+

Sie sind über 50 und möchten sich neu bewerben? Oder planen Sie den beruflichen Wiedereinstieg? Obwohl Ü50 Bewerber mit ihrem Know How hochqualifizierte Bewerber sind, lässt sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Ältere bei der Bewerbung schwerer als junge Bewerber haben. In diesem Betrag erfahren Sie, wie Sie mit Ihrer Bewerbung erfolgreich sind.

Bewerbung 50+

Bewerbung 50+ – so bewerben Sie sich richtig

Autor: Dipl.-Wirt.-Inf.
Beitrag aktualisiert: 18.05.2020
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Aufgrund des hohen Renteneintrittsalter ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Mitarbeiter – egal ob 40+ oder 50+, erneut auf Jobsuche begeben. Dem geht nicht immer eine Kündigung voraus, viele Bewerber suchen einfach eine neue, berufliche Herausforderung. Schließlich ist die Karriere mit 50 noch lange nicht zu Ende. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe für den Arbeitsplatzwechsel.

Für Unternehmen sind ältere Arbeitnehmer durchaus interessant. Schließlich wird im Team immer mehr auf Diversity gesetzt – eine gesunde Mischung zwischen jungen und älteren Mitarbeitern, aber auch zwischen Frauen und Männern und Menschen verschiedener Kulturen.

Dennoch haben es Ü50-Bewerber schwer – sie müssen mit Vorurteilen kämpfen. Die Vorurteile spiegeln das Bild unserer Gesellschaft auf Ältere wieder: „Mit dem Alter baut man einfach ab“. Zudem besteht das Problem, dass viele Bewerber bereits sehr lange in dem gleichen Unternehmen arbeiten und sich lange nicht mehr beworben haben. Sie müssen aber sicher und souverän im Bewerbungsprozess auftreten und sich mit den aktuellen Regularien auskennen.

Vorurteile gegen ältere Bewerber

Prinzipiell sollte es Vorurteile nicht geben. Schließlich gibt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), herausgegeben von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Das AGG soll Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern oder beseitigen.

Allerdings ist der Personalverantwortliche auch nur Mensch, daher beeinflussen Vorurteile die Entscheidung unterbewusst.

  • Fehlende Motivation: Bewerbern ab 50 wird vorgeworfen, nicht mehr lange genug im Beschäftigungsverhältnis zu stehen. Sie versuchen nur noch, die restliche Zeit zum Rentenbeginn zu überbrücken. Lohnt sich eine Investition in den Aufbau dieses Mitarbeiters?
  • Hohe Gehaltsforderungen: Bewerber 50plus verfügen über hohe Fachkompetenz und Berufserfahrung. Daher werden meist hohe Gehälter gefordert. Junge Mitarbeiter oder Berufseinsteiger kosten dagegen weniger, das benötigte Wissen wird aufgebaut.
  • Erhöhter Krankheitsstand: Mit dem Alter kommen die ersten krankheitsbedingten Probleme. Das führt zu höherem Krankheitsstand. Ältere Mitarbeiter sind weniger belastbar.
  • Nicht mehr am Puls der Zeit: Mit zunehmendem Alter nimmt der Willen zu Neuem ab. Das Erlernen neuer Technologien und Methoden ist aber eine wichtige Voraussetzung, zum Beispiel für die zunehmende Digitalisierung.
  • Abnahme der Leistungsbereitschaft: Sowohl die Leistungsbereitschaft als auch die Leistungsfähigkeit verringern sich mit zunehmenden Alter.

Bei einer Bewerbung Ü50 müssen Sie sich mit diesem Bild auseinandersetzen. Aber keine Angst, alle Vorurteile können mit den richtigen Formulierungen aus dem Weg geräumt werden.

Wie schaffe ich den Wiedereinstieg nach einer Kündigung?

Es ist immer einfacher, sich aus bestehendem Beschäftigungsverhältnis heraus für eine neue Stelle zu bewerben, als nach der Kündigung. Die Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit macht es daher für Ältere besonders schwer, wieder in den Beruf einzusteigen.

Bevor Sie mit der Arbeitssuche und dem Bewerbungsprozess starten, empfehlen wir Ihnen, zunächst die Kündigung und die Trennung vom Unternehmen zu verarbeiten und sich selbst aufzubauen. Daraus wächst die erforderliche Motivation, die Sie im Bewerbungsprozess ausstrahlen müssen. Reden Sie mit der Familie oder Bekannten über die Kündigung und stärken Sie Ihr Selbstvertrauen. Sorgen Sie für sich selbst, indem Sie Sport treiben und fit bleiben. Natürlich können Sie auch Hilfe zur Selbsthilfe in einem Bewerbungscoaching finden.

Der nächste Schritt ist die Erarbeitung einer Selbstpräsentation und die Selbstreflexion auf die eigenen Ziele. Was bringe ich an Fähigkeiten und Qualifikationen mit? Welche Erfolge habe ich vorzuweisen? Wo sehe ich meine persönlichen Stärken? Wo will ich hin? Es ist zudem sehr wichtig, zu wissen, in welchem Unternehmen Sie gern arbeiten möchten. Ist Ihnen eher ein „familiäres Unternehmen“ wichtig?

Das sind wesentliche Voraussetzungen für eine gezielte Stellensuche. Bewerben „mit der Gießkanne“ oder mit Frust macht keinen Sinn.

Entkräften Sie die Vorurteile des Personalverantwortlichen

Mit Ihrer Bewerbung müssen Sie die Vorurteile des Personalers entkräften und ihn mit Motivation und Eignung für die Stelle überzeugen. Das erreichen Sie nur durch gezielte Ansprache. Die gute Nachricht: der Fachkräftemangel und der demografische Wandel spielen Ihnen in die Hand. Da immer weniger junge Menschen nachrücken, werden die Bewerber insgesamt älter.

Der Gesundheitszustand rückt mit steigenden, medizinischen Möglichkeiten ebenfalls in den Hintergrund. Die Best Ager verfügen über eine stetig, steigende Lebenserwartung.

Generell sollten Sie über Kenntnisse im Umgang mit dem Computer und Internet verfügen. Besonders wichtig sind die gängigen Softwareprogramme des Microsoft Office Pakets, wie Excel, Word und Outlook. Wenn Sie sich damit nicht auskennen, empfehlen wir Ihnen, einen Computerkurs wahrzunehmen.

Ältere Arbeitnehmer bieten hohe Flexibilität und Zuverlässigkeit. Das ist auch durchaus nachvollziehbar, schließlich sind die Kinder aus dem Haus oder es werden zumindest nicht mehr beide Elternteile für die Betreuung benötigt. Durch gefestigte Partnerschaften verfügen sie zudem über die nötige Gelassenheit, emotionale Stabilität und Verantwortungsbewusstsein.

Bewerber 50plus bringen aufgrund Ihrer Lebenserfahrung umfangreiches Fachwissen mit. Dazu zählen auch Fort- und Weiterbildungen sowie spezifische Branchenkenntnisse. Jahrelange Routine wirkt sich ebenfalls positiv auf die Produktivität aus.

Wie finde ich passende Stellen? Unsere Tipps zur Jobsuche!

Mit Ausnahme der lokalen Arbeitssuche, findet die Stellensuche heute nicht mehr über die Tageszeitung statt. Offene Jobs werden von den Unternehmen auf Jobbörsen im Internet ausgeschrieben. Neben den großen Playern, wie Monster und Stepstone, sind auch fachspezifische Branchenportale interessant. Sie veröffentlichen Stellenanzeigen für bestimmte Branchen und bieten Bewerbern die Möglichkeit, eigene Stellengesuche zu veröffentlichen. Internet-Stellenmärkte haben zudem den Vorteil, dass Jobs schnell anhand von Fachkenntnissen, Berufserfahrungen und persönlichen Präferenzen gefiltert werden können.

Soziale Netzwerke

Neben Internet-Stellenmärkten werden auch soziale Netzwerke, wie XING und Facebook, für die Arbeitssuche immer relevanter. Dort werden berufliche Kontakte geknüpft und Headhunter auf Sie aufmerksam. Mehr Informationen finden Sie im Beitrag Jobsuche über Social Media.

Firmenwebseite

Haben Sie Interesse an einem speziellen Unternehmen – und das sollten Sie immer haben! – dann lohnt es sich, auf der Firmenhomepage nach passenden Stellenangeboten Ausschau zu halten.

Personalvermittlungen

Natürlich können Sie auch Personalvermittlungen – Zeitarbeit oder direkte Arbeitsvermittlung – mit der Jobsuche beauftragen. Für Führungskräfte lohnt es sich, auf einen Headhunter zurückzugreifen.

Moderne Bewerbungsunterlagen

Eine moderne Bewerbung zeigt eine moderne Einstellung. Gern möchten wir Ihnen nun zur Zusammenstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen ein paar Bewerbungstipps auf den Weg geben.

Die Onlinebewerbung übernimmt immer mehr die klassische Bewerbung per Post. In der Regel handelt es sich dabei um eine digitale Bewerbungsmappe, die dem Arbeitgeber per E-Mail zugestellt wird. Bei größeren Unternehmen kann die Bewerbung auch auf der eigenen Internetpräsenz über Bewerbungsformulare erfolgen. Welche Bewerbungsform gewünscht ist, entnehmen Sie der Stellenanzeige oder muss im Vorfeld bei dem Unternehmen erfragt werden.

Die Bewerbungsunterlagen werden in einem ansprechenden Design übersichtlich und klar strukturiert gestaltet.

Tipp: Bewerbung schreiben mit unserem Online-Editor

Für die Erstellung der Bewerbung empfehlen wir Ihnen unseren Bewerbungseditor. Der Bewerbungseditor ist ein Online-Editor mit dem Sie die komplette Bewerbung online schreiben können. Über die Gestaltung müssen Sie sich keine Gedanken zu machen. Konzentrieren Sie sich stattdessen voll auf den Inhalt. Für den Schnellstart stehen viele Muster und Vorlagen zur Verfügung.

Schicken Sie dem Unternehmen niemals eine Standardbewerbung. Jede Bewerbung muss auf das Unternehmen und die Stelle angepasst werden. Das macht natürlich viel Arbeit, führt aber zu einem höheren Rücklauf.

So ist eine Bewerbung aufgebaut

Eine vollständige Bewerbung besteht aus diesen Unterlagen in dieser Reihenfolge:

  • Deckblatt mit Bewerbungsfoto: Das Deckblatt ist die Begrüßungsseite. Es enthält Ihre persönlichen Daten, die Stellenbezeichnung und ein Bewerbungsfoto. Das Bewerbungsfoto lassen Sie von einem professionellen Fotostudio erstellen.
  • Bewerbungsanschreiben: Das Anschreiben umfasst genau eine Seite. Sie überzeugen den Personaler darin von Ihrer Eignung und Motivation. Thematisieren Sie nicht Ihr Alter, in dem Sie auf langjährige Erfahrung hinweisen. Auch Lernbereitschaft sollten Sie nicht nennen – zumindest nicht offensichtlich. Stattdessen lohnt es sich, auf bisherige Weiterbildungen hinzuweisen. Für Rechtfertigungen oder gar „betteln“ um die Stelle ist im Bewerbungsschreiben kein Platz. Vielmehr überzeugen Sie mit Ihrer fachlichen und persönlichen Eignung sowie relevanten Erfolgen. Ihre Motivation ist zweitrangig, aber dennoch wichtig. Das Sie noch einmal beruflich durchstarten wollen oder Ihnen ein Wiedereinstieg wichtig ist, interessiert das Unternehmen allerdings nicht. Rücken Sie eine stellenbezogene Motivation in den Mittelpunkt.
  • Tabellarischer Lebenslauf: Auch wenn Sie eine Menge Berufserfahrung und viele Lebensstationen vorzuweisen haben, führen Sie im Lebenslauf nur das auf, was für die Stelle wirklich wichtig ist. Verschiedene Stellen und Arbeitgeber können, wie im funktionalen Lebenslauf, gebündelt werden. Fortbildungen, die vor 20 Jahren, stattgefunden haben, werden nicht mehr erwähnt. Auch Hobbies und detaillierte Angaben zum schulischem Werdegang müssen nicht gemacht werden. Stattdessen wird der Fokus auf die aktuelle oder letzte Stelle gelegt und bisherige Erfolge aufgeführt. Die Lebensstationen werden als „amerikanischer Lebenslauf“ chronologisch rückwärts genannt, d.h. Sie beginnen mit der aktuellen Stelle und arbeiten sich dann in die Vergangenheit zurück. Um das Alter auch im Lebenslauf nicht zum Thema zu machen, werden die Geburtsdaten meist erst zum Schluss genannt. Zwei Seiten Lebenslauf sollten vollkommen ausreichen.
  • Anlagen: Welche Zeugnisse werden bei der Bewerbung über 50 beigelegt? Ganz kurz: dem Arbeitgeber werden nur die für die Stelle wichtigsten Unterlagen zur Verfügung gestellt. Oft sind das die letzten zwei Arbeitszeugnisse und relevante Nachweise. Begrenzen Sie die Anlagen auf das Notwendigste. Statt umfangreicher Anlagen, können Sie im Bewerbungsanschreiben lieber erwähnen, das bei Bedarf gern weitere Unterlagen bereitgestellt werden.

Die Gehaltsfrage für Bewerber 50+

Ältere Arbeitnehmer stehen schon lange im Arbeitsleben. Durch regelmäßige Gehaltserhöhungen oder Gehaltsverhandlungen liegt das Gehalt natürlich weit vor dem eines Berufseinsteigers. Aufgrund der Fachkompetenz und Erfahrung ist das auch gerechtfertigt. Für eine neue Anstellung ist ein hohes Gehalt aber hinderlich.

Daher empfehlen wir Ihnen, nicht zu überzogen in die Gehaltsverhandlung zu gehen und beim Gehalt kompromissbereit zu bleiben. Das Gehalt richtet sich nicht in erster Linie nach Ihrem persönlichen Wert, sondern dem Wert der Stelle. Alter sichert nicht automatisch ein hohes Gehalt. Begründen Sie Ihren Gehaltswunsch anhand von Fachkenntnissen, der Übernahme von Verantwortung und der nicht notwendigen Einarbeitung in das Aufgabengebiet.

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