Was bedeutet f├╝r mich die Probezeit?

Was bedeutet f├╝r mich die Probezeit?

Probezeit in Ausbildung, Praktikum und Festanstellung – Was ist zu beachten?

Autor: Dipl.-Wirt.-Inf.
Beitrag aktualisiert: 28.06.2020
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F├╝r den Beginn einer Ausbildung oder eines unbefristeten Arbeitsverh├Ąltnisses wird meistens eine Probezeit vereinbart. Die Probezeit ist daf├╝r da, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einander kennenlernen. Es gilt herauszufinden, ob der Arbeitnehmer sich gut in das bestehende Team integrieren kann, Versprechungen aus dem Vorstellunggespr├Ąch eingehalten werden oder die Aufgaben und Inhalte das Richtige sind. Nat├╝rlich spielt die Arbeitsmoral und Motivation eine ebenso bedeutende Rolle.

Innerhalb der Probezeit kann das Arbeitsverh├Ąltnis ohne Angabe von Gr├╝nden beiderseitig beendet werden. Das Aussprechen der K├╝ndigung ist jederzeit m├Âglich. Eine K├╝ndigungsfrist ist dennoch einzuhalten! Ausnahme bildet nur die Berufsausbildung. Die Probezeit erm├Âglicht somit die bequeme Aufl├Âsung des Arbeitsverh├Ąltnisses.

Die M├Âglichkeit der K├╝ndigung ohne Angabe von Gr├╝nden besteht allerdings nur f├╝r die ersten 6 Monate! Danach tritt, unabh├Ąngig von einer l├Ąngeren Probezeit, automatisch der gesetzliche K├╝ndigungsschutz in Kraft. Dieser besagt, dass eine K├╝ndigung seitens des Arbeitgebers nur unter bestimmten Bedingungen mit der Angabe von Gr├╝nden ausgesprochen werden darf.

Die Probezeit regelt also ausschlie├člich die K├╝ndigungsfrist. Der Arbeitnehmer w├Ąre auch ohne die Vereinbarung einer Probezeit aufgrund des fehlenden gesetzlichen K├╝ndigungsschutzes in den ersten 6 Monaten ohne Angabe von Gr├╝nden k├╝ndbar.

Die K├╝ndigung selbst muss schriftlich erfolgen. Besteht im Unternehmen ein Betriebsrat, so muss bei einer K├╝ndigung auch der Betriebsrat angeh├Ârt werden.

Welche K├╝ndigungsfristen sind innerhalb der Probezeit einzuhalten?

K├╝ndigungsfristen werden im ┬ž 622 Absatz 3 B├╝rgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelt. Der Gesetzestext besagt, dass in einem unbefristeten Arbeitsverh├Ąltnis innerhalb der Probezeit eine K├╝ndigungsfrist von 2 Wochen (14 Tage) einzuhalten sind. Nach 6 Monaten sind 4 Wochen K├╝ndigungsfrist einzuhalten.

Die K├╝ndigungsfrist kann im Arbeitsvertrag individuell vereinbart werden. Sie kann verl├Ąngert, aber nicht verk├╝rzt werden. K├╝ndigungsfristen gelten f├╝r Arbeitgeber und Arbeitnehmer im gleichen Umfang.

Ein kurzer Exkurs in den gesetzlichen K├╝ndigungsschutz

Wie bereits erw├Ąhnt, tritt nach 6 Monaten Arbeitst├Ątigkeit automatisch der gesetzliche K├╝ndigungsschutz in Kraft. Das Unternehmen muss allerdings mindestens 10 Angestellte besch├Ąftigen. Auszubildende sind bei der Z├Ąhlung ausgeschlossen.

F├╝r Schwerbehinderte beginnt der besondere K├╝ndigungsschutz nach Ablauf von 6 Monaten. Bei Schwangeren beginnt er dagegen sofort, also unter Umst├Ąnden sogar ab dem ersten Arbeitstag.

Probezeit im unbefristeten Arbeitsverh├Ąltnis

Die Dauer der Probezeit ist im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt. F├╝r einfache T├Ątigkeiten sind 3 bis 4 Monate angemessen. ├ťblicherweise wird eine Dauer von 6 Monaten vereinbart, das entspricht auch dem Zeitraum f├╝r das Inkrafttreten des gesetzlichen K├╝ndigungsschutzes. F├╝r komplexe T├Ątigkeiten sind Probezeiten von 9 oder sogar 12 Monaten denkbar.

Eine l├Ąngere Probezeit macht f├╝r den Arbeitgeber allerdings nur wenig Sinn, da nach 6 Monaten der Arbeitnehmer in jedem Fall aufgrund des gesetzlichen K├╝ndigungsschutzes schwieriger k├╝ndbar ist. Dagegen kann der Arbeitnehmer zu jeder Zeit innerhalb der verl├Ąngerten Probezeit ordentlich k├╝ndigen und muss nur die verk├╝rzte K├╝ndigungsfrist aus der Probezeit einhalten. ├ťblicher ist daher eher die Vereinbarung einer k├╝rzeren Probezeit.

Probezeit im befristeten Arbeitsverh├Ąltnis

Ein befristetes Arbeitsverh├Ąltnis endet nach einer bestimmten Zeit und nicht durch K├╝ndigung. Die ordentliche K├╝ndigung ist bei befristeten Arbeitsvertr├Ągen somit generell ausgeschlossen (┬ž 15 Absatz 3 Teilzeit- und Befristungsgesetz ÔÇô TzBfG). Im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag kann die ordentliche K├╝ndigung allerdings erm├Âglicht werden.

Ist in einem befristeten Arbeitsverh├Ąltnis eine Probezeit vereinbart, so wird durch diesen Sachverhalt eine ordentliche K├╝ndigung mit verk├╝rzter K├╝ndigungsfrist innerhalb der Probezeit erm├Âglicht. Dabei sind die gleichen Regeln wie bei einem unbefristeten Arbeitsverh├Ąltnis zu beachten.

Probezeit in der Berufsausbildung

Bei der Berufsausbildung finden die gesetzlichen Regelungen aus dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) Anwendung. Das Berufsbildungsgesetz schreibt eine Probezeit zwischen einem Monat und 4 Monaten vor (┬ž 20 BBiG), ├╝blich sind 4 Monate. Die Probezeit wird im Berufsausbildungsvertrag vereinbart. Ist im Ausbildungsvertrag eine l├Ąngere Probezeit als 4 Monate enthalten, so ist die Vereinbarung ung├╝ltig.

Interessant zu wissen! Wenn der Auszubildende bereits fr├╝her im Unternehmen besch├Ąftigt wurde, zum Beispiel im Rahmen eines Praktikums oder als Werkstudent, kann die Probezeit verk├╝rzt werden. Bei Krankheit von mehr als 1/3 der Probezeit kann die Probezeit dagegen verl├Ąngert werden.

F├╝r Auszubildende gibt es, im Gegensatz zur Festanstellung, innerhalb der Probezeit keine K├╝ndigungsfrist (┬ž 22 Absatz 1 BBiG). Ausnahme bildet der besondere K├╝ndigungsschutz f├╝r Schwerbehinderte und Schwangere.

Probezeit im Praktikum

Grunds├Ątzlich ist hier zwischen freiwilligem und verpflichtendem Praktikum zu unterscheiden. Ein freiwilliges Praktikum ist wie eine Ausbildung einzuordnen. Somit gilt das Berufsbildungsgesetz, welches eine Probezeit zwischen 1 und 4 Monaten vorschreibt. F├╝r ein Pflichtpraktikum findet das Berufsbildungsgesetz allerdings keine Anwendung. Damit gibt es auch keine Regelungen zur Probezeit.

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