Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?

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Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
26.07.2019 16:34
Hallo zusammen!
Vorab die wichtigste Frage:
Welche Formulierung bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber ist die unschädlichste? Gerade auch, wenn man in Mitarbeitergesprächen seine Unzufriedenheit mit dem Arbeitsklima und die nicht vorhandene Einarbeitung mehrmals erwähnt hat. Was sollte ich hier vorschlagen?

Schon jetzt danke für's Lesen, leider ist der Hintergrund wichtig.
Ich freue mich über Tipps.

Hintergrund:

Seit einem vier-monatigem Praktikum in einem Medienbetrieb war das Unternehmen mein absoluter Wunscharbeitgeber. Mein Praktikumszeugnis war damals hervorragend und mir wurde auch angeboten zu weiteren (dann bezahlten) Praktika zurückzukehren. Das Team war toll, die Teamleitung stets hilfreich und fair und der Job war zwar stressig, machte aber auch wahnsinnigen Spaß. Es hatte einfach alles gepasst.

Bei der zweiten bzw. dritten Bewerbung erhielt ich ein Volo. Leider war dann alles anders.
Nichts hat mehr gepasst. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich nie beworben.
Es gab praktisch keine Einarbeitung und wenn man etwas nicht wusste, hörte man immer nur "wieso weißt du das noch nicht?" Obwohl ich immer aktiv war, Arbeitsabläufe kennenlernen wollte und mich immer selbst erkundigt habe, wie etwas funktioniert, wurde zum Schluss behauptet, von mir käme nichts, ich würde mich nicht interessieren.
Ich kam mir vor wie im Film. Alles wurde ins Gegenteil gekehrt.
Drei Mitarbeiter von ca. 20 haben schlicht durch Lügen das gesamte Team gegen mich gebracht. Selbst Aussagen von Praktikanten zählten mehr als meine Richtigstellung. An der war eh niemand interessiert. Die restlichen Kollegen (die Mehrheit), mit denen ich mich sehr gut verstanden habe, mieden den Kontakt dann auch.
Kurz und knapp: Mobbing hat das komplette Arbeitsklima zerstört. Interessant war, dass es genau die Personen waren, die stets geschlossen zur Raucherpause sind.
Waren besagte Mobber und Teamleitung im Urlaub oder krank, blühte das Team förmlich auf.
In Gesprächen mit den Vorgesetzten wurde mir der Mund verboten, meine Sicht der Dinge interessierte nicht. Und Mobbing? Nein, dass gäbe es in der Firma schon mal gar nicht.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Im klärenden Gespräch mit der Geschäftsleitung habe ich nochmals vermittelt, dass ich die Firma so nicht kenne und ich mich nicht wohl fühle. Im Gespräch folgte dann die Kündigung seitens des AG, da man sich auch hier die Realität nicht anhören wollte.

Trotz der Bitte um ein Zeugnis, mit dem beide Seiten zufrieden sein können,wird auch hier noch heftig nachgetreten (erstellt von einer der Rädelsführerinnen / CvD).
Allem voran fehlt am Ende auch die "Empfehlungsformel". Da ich mich damit nirgends bewerben brauche, bitte ich den Betrieb jetzt um Korrektur und möchte dabei alles richtig machen.


Hier das Original-Zeugnis:

Herr xy, geb. am xy, absolvierte vom 01.x bis 31.y (Anm : 3 Monate) ein Volontariat in der Redaktion von xy.
[Hier folgt die Selbstdartellung der TV-Redaktion]

Herr xy arbeitete sowohl für das tägliche Nachrichtenmagazin xy im xy Fensterprogramm für den Ballungsraum xy, als auch für die Vollfrequenz auf xy.

Zum Tätigkeitsfeld von Herrn xy gehörten im Wesentlichen folgende Aufgaben:

[list=] Fernseh- und zielgruppengerechte Aufarbeitung täglicher Lokalnachrichten – dazugehörend Recherche, Interviewführung, Dreh vor Ort, Schnitt, und Text des Beitrags
Aktualisierung der xy-Mediathek mit Hilfe von Video-Konvertierungstools[/list]

Herr xy zeigte ein hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.
Schon nach kurzer Einarbeitungszeit war er aufgrund seines Könnens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft jederzeit flexible einsetzbar.

Herr xy kann sich gut in ein Thema einarbeiten und die wesentlichen Aspekte sachlich und verständlich darstellen. Seine Kreativität und die Fähigkeit, Themen fernsehgerecht umzusetzen, zeichnen ihn aus. Er arbeitet zuverlässig und selbständig und ist auch außerordentlicher Belastung gewachsen.
Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte Herr xy stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Durch sein kollegiales und freundliches Verhalten war Herr xy bei Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion und Technik gleichermaßen beliebt. Sein persönliches Verhalten war einwandfrei.

Herr xy verlässt das Unternehmen nach seiner Probezeit. Wir danken Herrn xy für sein Mitwirken und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.




Jetzt mein Gegenvorschlag
- wenn sie sich überhaupt dazu herablassen, wird sicher noch "nach unten" korrigiert:

Herr *beep*, geb. am *beep*, absolvierte vom *beep* bis zum 31.12.2018 ein Volontariat in der Redaktion bei der *beep* GmbH.
Die Gesellschaft betreibt das regionale TV-Programm *beep* für die Metropolregion *beep*. „beep“ ist der zweitgrößte Regionalsender in *beep*.
Herr *beep* arbeitete sowohl für das tägliche Nachrichtenmagazin im RTL-Fensterprogramm für den Ballungsraum *beep* , als auch für die Vollfrequenz auf *beep*.
Zum verantwortungvollen Tätigkeitsfeld von Herrn *beep* gehörten im Wesentlichen folgende Aufgaben:

• Fernseh- und zielgruppenorientierte Aufarbeitung täglicher Lokalnachrichten – dazugehörend Recherche, Interviewführung, Dreh vor Ort, Schnitt und Text des Beitrags
• Verfassen von Kurznachrichten, sowohl für den Online-Auftritt des Senders, als auch für das tägliche Nachrichtenmagazin „*beep*“
• Aktualisierung der *beep* Mediathek mit dem Content-Management-System Wordpress und mit Hilfe von Video-Konvertierungstools

Herr *beep* zeigte stets ein hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft. Schon nach kurzer Einarbeitungszeit war er aufgrund seines fundierten Fachwissens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft jederzeit flexibel einsetzbar.

Herr *beep* kann sich sehr gut in ein Thema einarbeiten und die für ein Nachrichtenmagazin wesentlichen Aspekte sachlich und verständlich darstellen. Seine Kreativität und die Fähigkeit, Themen fernsehgerecht umzusetzen, zeichnen ihn aus. Er arbeitet stets zuverlässig und selbständig und ist auch außerordentlicher Belastung jederzeit gewachsen.

Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte Herr *beep* stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Durch sein zu jeder Zeit kollegiales und freundliches Verhalten war Herr *beep* bei Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion und Technik stets gleichermaßen beliebt. Sein persönliches Verhalten war immer einwandfrei.

Zu unserem Bedauern verlässt Herr *beep* das Unternehmen zum *beep*.
Wir danken Herrn *beep* für seine stets gute Mitarbeit und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.
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Senfdazugeber
Gast




Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
27.07.2019 00:00
Hallo Ginger Nuts,

Du hast das Zeugnis in Anlehnung an das Zeugnis des Arbeitgebers formuliert. Ich finde Deine Version etwas gefälliger, weil diese u. a. ausführlicher ist und die Leistung nochmals hervorhebt.

Der Arbeitgeber ist (meinem Erachten nach) nicht gesetzlich verpflichtet, Deine Leistung mit der Note 1 (... stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ...) zu bewerten, wenn er der Meinung ist, dass Du diese Bestbenotung nicht verdient hast. Hier bist Du in der Beweispflicht. Wenn Du also beweisen kannst, dass Du die Note 1 verdient hast, muss der Arbeitgeber eine entsprechende Formulierung verfassen, die der Bestbeurteilung entspricht. Wink

Der Arbeitgeber muss auch nicht bedauern, dass Du gehst. Hierüber gib es Gerichtsurteile. Der Grund ist folgender:
Der Ausspruch des Bedauerns hat nichts mit der eigentlichen Beurteilung Deiner Leistung zu tun und bleibt deshalb dem Arbeitgeber überlassen, ob er sein Bedauern äußert oder eben nicht. Sad

-----------------------

Ich konnte nichts Schlimmes feststellen, was dem Arbeitgeber, bezüglich der Zeugnisformulierung, angelastet werden kann. Dein Können sowie Deine Leistung wurde mit einer Note 2 beurteilt (m. E. n.).

Wenn ich eine Kritik aussprechen müsste, wäre es der etwas lieblose, nüchterne Schreibstil, der darauf hinweisen könnte, dass der Arbeitgeber und Du vielleicht nicht immer einer Meinung wart.

------------------------

Ich hoffe, ich konnte Deine Bedenken etwas mildern und wünsche Dir in naher Zukunft weiterhin viel Erfolg als Fernsehmacher.

Sorge bitte dafür, dass nicht so viele ster­bens­lang­wei­lige Berichte ausgestrahlt werden — besonders morgens und mittags. Wink

Mit lieben Grüßen

Senfdazugeber
Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
27.07.2019 17:12
Grüß dich Senfdazugeber und danke für's Reinschauen.

Ich weiß, dass es für den Arbeitgeber keine Verpflichtung gibt, nur muss ich damit rechnen, dass allein schon aus Missgunst die Leistungen auch in einer Korrektur abgeschwächt werden. Deshalb habe ich an einigen Stellen auch die Bestnote gewählt.
Schlechter als eine "2" war meine Leistung insgesamt aber auf keinen Fall.

edit: In der Vorschau funktionieren die Zitate, warum sie jetzt nicht richtig angezeigt werden, weiß ich leider nicht...
edit 2: Ohne deinen Namen funktioniert es jetzt.

Zitat:


Du hast das Zeugnis in Anlehnung an das Zeugnis des Arbeitgebers formuliert. Ich finde Deine Version etwas gefälliger, weil diese u. a. ausführlicher ist und die Leistung nochmals hervorhebt.


Strukturell ist das Zeugnis auch ok, deshalb habe ich es nur ergänzt bzw. passendere Worte für ein Arbeitszeugnis gewählt.

Zitat:


Ich konnte nichts Schlimmes feststellen, was dem Arbeitgeber, bezüglich der Zeugnisformulierung, angelastet werden kann. Dein Können sowie Deine Leistung wurde mit einer Note 2 beurteilt (m. E. n.).



Ich hab mich jetzt viele Stunden mit Zeugniscodes beschäftigt und komme selbst insgesamt auf eine 3-4. Gerade das Ende und manche Formulierung zieht die Note deutlich runter. Und den letzten Absatz lesen viele Arbeitgeber ja gern zuerst und machen sich bereits ihr Bild.
Hier mal meine Eigenanalyse:


Zitat:


Herr xy zeigte ein hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.


Den ersten Satz halte ich für eine Mischung aus mehreren Abstufungen: Das hohe Maß wird gern bei der Note 1 genutzt, dafür fehlt aber wiederum das „stets“, was die Bewertung auf eine 3 sinken lässt. Bei der Note 3 wird aber generell nicht mehr von einem „hohen Maß“ gesprochen.



Zitat:


Schon nach kurzer Einarbeitungszeit war er aufgrund seines Könnens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft jederzeit flexible einsetzbar.



Hier wurde das wohl üblichere „Fachwissen“ durch „Können“ ersetzt und so jegliche Bewertung des Fachwissens vermieden. Sehr gutes Können klänge ja auch seltsam. Note 4? Verlässliche Arbeitsweise = Note 4.
Jederzeit sehe ich als Synonym zu stets. Das Thema "flexibel" habe ich in der Korrektur noch ausgeschmückt, da man es sonst evtl. auch in Richtung „Lückenfüller“ deuten könnte.



Zitat:


Herr xy kann sich gut in ein Thema einarbeiten und die wesentlichen Aspekte sachlich und verständlich darstellen. Seine Kreativität und die Fähigkeit, Themen fernsehgerecht umzusetzen, zeichnen ihn aus. Er arbeitet zuverlässig und selbständig und ist auch außerordentlicher Belastung gewachsen.



„Gut einarbeiten“ = zwei bis drei. Auf stets wurde auch hier im kompletten Absatz verzichtet. Bei den „wesentlichen Aspekten“ bin ich hin- und hergerissen. Zwar ist die Kernkompetenz des Jobs, die wesentlichen Aspekte herauszuarbeiten (gerade bei Nachrichten), aber andererseits könnte man das auch als schlampiges Arbeiten auffassen. Er hat nur „das Wesentliche getan und den Rest links liegen lassen.“


Zitat:


Er arbeitet zuverlässig und selbständig und ist auch außerordentlicher Belastung gewachsen.



Auf „sehr“ und „stets“ wird wie üblich verzichtet = Note 4. Selbstständiges Arbeiten wird im positiven Sinn nur bei der Note 1-2 verwendet. Bei schlechteren Noten taucht die Formulierung eher nicht mehr auf. Entweder absichtlich vermischt um abzuwerten oder Unkenntnis.



Zitat:


Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte Herr xy stets zu unserer vollen Zufriedenheit.



= Note 2. Hier wurde sogar „stets“ eingesetzt. Kann man die „übertragenen Aufgaben“ auch negativ auslegen? Würde sich aber wiederum mit dem selbstständigen Arbeiten beißen.


Zitat:


Durch sein kollegiales und freundliches Verhalten war Herr xy bei Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion und Technik gleichermaßen beliebt. Sein persönliches Verhalten war einwandfrei.



Die Reihenfolge stimmt. "Gleichermaßen beliebt" und das Fehlen von „stets“ = Note 3



Zitat:


Herr Arno Nym verlässt das Unternehmen nach seiner Probezeit. Wir danken Herrn Ano Nym für sein Mitwirken und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.



Hier haben wir meiner Meinung nach wieder einen Mix aus zwei Extremen: „Viel Erfolg und persönlich alles Gute“ findet sich bei den Noten 1-2. „Wir danken für sein Mitwirken“ ist neutral formuliert. Es war weder wertvoll, noch gut. Note 3-4. Auf ein Bedauern wird verzichtet = Endlich sind wir ihn los. Keine Empfehlung für den nächsten Arbeitgeber.
Gibt es das Bedauern denn überhaupt in Zegnissen, die nach der Kündigung durch den Arbeitgeber erstellt werden?
Anstatt "Probezeit" hätte man auch das Datum nennen können. Ein interessierter Arbeitgeber sieht auch anhand der Anstellungszeit, dass es die Probezeit war, das muss man (wenn man Stil hat) nicht auch noch unter die Nase reiben.

Zitat:


Ich hoffe, ich konnte Deine Bedenken etwas mildern und wünsche Dir in naher Zukunft weiterhin viel Erfolg als Fernsehmacher.

Sorge bitte dafür, dass nicht so viele ster­bens­lang­wei­lige Berichte ausgestrahlt werden — besonders morgens und mittags. Wink

Mit lieben Grüßen



Das ist sehr nett von dir Smile Bei dem Sender wäre es selten möglich gewesen, so richtig interessante Themen zu bringen. Meine Vorschläge wurden regelmäßig abgelehnt.
Für den Sender war die Zielgruppe Ü60 in Stein gemeißelt (auch wenn sie damit nicht zufrieden waren). Dass man das nur mit zusätzlich anderen Themen (Kultur und anspruchsvolleren Beiträgen, die keine Schnellschüsse sind) ändern kann, war kein Argument.
Die konnten sich von ihrere Zielgruppe (Ü60) nicht trennen und ein Argument, dass man das
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Senfdazugeber
Gast




Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
27.07.2019 21:42
Hallo Ginger Nuts,

Deine Antwort ist sehr ausführlich und ich merke, wie Dich dieses selbstbetreffende) Thema aufwühlt. Anscheinend ist es mir nicht wirklich gelungen, Deine Bedenken etwas zu mildern. Deshalb ist es mir ein Bedürfnis, mein gestecktes Ziel noch zu erreichen. Smile

In meinem Berufsleben hatte ich ca. dreißig verschiedene Arbeitgeber. Die meisten von ihnen schrieben mir ein Zeugnis. Aus dieser Erfahrung heraus schreibe ich Dir, dass viele Arbeitgeber oder deren Personaler sich mit Zeugnisschlüsseln nicht beschäftigen. Daher wirken die Zeugnisse manchmal etwas "zweifelhaft". Natürlich trifft die Aussage nicht für jeden Arbeitgeber zu und wahrscheinlich auch nicht für die großen Arbeitgeber, die studierte Personaler eingestellt haben.

Auf dieser Plattform schreibe ich seit über zehn Jahre und habe mir einen Schreibstil angeeignet, von dem ich nicht abweiche. Zum Beispiel würde ich nie das Wort "stets" viermal in einem Zeugnis verwenden, nur weil es mir ein Zeugnisschlüssel vorschreibt. Diesen können viele Menschen nicht deuten, weil er u. a. auch keine Standardisierungen vorgibt.

Weil ich allerdings auch zwischen den Zeilen lesen kann, will ich meine "Gabe" jetzt nutzen. Smile

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Zitat:



Herr xy zeigte ein hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.
Schon nach kurzer Einarbeitungszeit war er aufgrund seines Könnens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft jederzeit flexible einsetzbar.



Nur eine hohe Leistungsbereitschaft zu zeigen, ist meinem Erachten nach zu wenig. Mir fehlt die Aussage, dass Du tatsächlich was geleistet hast. So wäre der Satz besser:

"Herr xy zeichnete sich durch gute Leistungen aus, die mit einem hohen Maß an Eigeninitiative einhergingen."

Das Wort "Können" ist sehr gut (m. E. n.). Übersetzt heißt es:
"Erworbenes Vermögen, auf einem bestimmten Gebiet, mit Sachverstand etwas Besonderes leisten"

Dennoch ist der zweite Satz wieder etwas schwammig: "... war jederzeit flexibel einsetzbar".

Auch wenn Du jederzeit flexibel einsetzbar warst, heißt das ja noch lange nicht, dass Du auch eingesetzt wurdest. Wink
So wäre der Satz aussagekräftiger:

"Schon nach kurzer Einarbeitungszeit wurde er aufgrund seines Könnens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft vielseitig eingesetzt."

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Zitat:



Herr xy kann sich gut in ein Thema einarbeiten und die wesentlichen Aspekte sachlich und verständlich darstellen.


Der Satz lässt auch Zweifel offen, ob Du die Behauptungen auch erfüllt hast. Das Wort "kann" sagt wieder mal nichts über Deine tatsächliche Leistung aus. Sad So wäre es besser:

"Herr xy arbeitete sich gut in ein Thema ein und stellte die wesentlichen Aspekte sachlich und verständlich dar."

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Jetzt kommt mal was Positives:

Zitat:



Seine Kreativität und die Fähigkeit, Themen fernsehgerecht umzusetzen, zeichnen ihn aus. Er arbeitet zuverlässig und selbständig und ist auch außerordentlicher Belastung gewachsen.
Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte Herr xy stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Durch sein kollegiales und freundliches Verhalten war Herr xy bei Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion und Technik gleichermaßen beliebt. Sein persönliches Verhalten war einwandfrei.



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Zitat:



Herr xy verlässt das Unternehmen nach seiner Probezeit. Wir danken Herrn xy für sein Mitwirken und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.


Letztendlich war der Arbeitgeber froh, trotz Deiner ansprechenden Leistungen, dass er Dich los war. Dazu sage ich: "Man kann es im Leben nicht jedem recht machen". Wink

Der Satz wäre so sympathischer:

Zitat:



Herr xy verlässt das Unternehmen am xx.xx.xxxx. Wir bedauern das aufrichtig und bedanken uns für die effiziente Zusammenarbeit. Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Herrn xy weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen. Gerne verbürgen wir uns als Referenz und sprechen für Herrn xy eine Einstellungsempfehlung aus.


So schreibt kein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeiter gefeuert hat. Von dem Gedanken würde ich mich trennen.

Realistischer wäre es so:

Zitat:



Herr xy verlässt das Unternehmen am xx.xx.xxxx. Wir bedauern das und danken Herrn xy für seine Leistungen. Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Herrn xy weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.



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Mein Tipp:

Du hast in dem Laden schon genug den Trottel (als Praktikant und Volontär) gemacht.
Weil ich denke, dass Du ein guter Fachmann bist, solltest Du Dich jetzt auf Deine Stärken besinnen (und nicht den trüben Gedanken nachhängen) und eine Arbeitsstelle annehmen, die Deiner gerecht wird — und Geld einbringt. Wink

Trete selbstbewusst aus, im Anschreiben sowie beim Vorstellungsgespräch. Meine schlechten Zeugnisse habe ich mit Stolz vorgezeigt und wenn mich die Personaler darauf angesprochen haben (was sehr selten vorkam), habe ich meine Sicht der Dinge erklärt. Irgendwie kam das ganz gut an. Jedenfalls wurde ich eingestellt. Smile

Falls Dir das schlechte Zeugnis große Sorgen bereitet, kannst Du in einer Dritten Seite erklären, warum Dein Zeugnis in mancher Hinsicht etwas abfällt:
https://www.bewerbung-tipps.com/bewerbungsunterlagen/dritte_seite.php

Aber ehrlich gesagt, so schlecht ist Dein Zeugnis nicht. Für Deinen Ärger, den Du mit der Firma hattest, ist es sogar wohlwollend formuliert. Wink

---------------------------------------------------------------------

Ich hoffe auch diesmal, dass Dein Ärger mit meinem Schreiben etwas verraucht und Du positiv in die Zukunft blickst.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Smile

Mit lieben Grüßen

Senfdazugeber
Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
28.07.2019 23:14

Zitat:


Deine Antwort ist sehr ausführlich und ich merke, wie Dich dieses selbstbetreffende) Thema aufwühlt. Anscheinend ist es mir nicht wirklich gelungen, Deine Bedenken etwas zu mildern. Deshalb ist es mir ein Bedürfnis, mein gestecktes Ziel noch zu erreichen. Smile



Ich denke, mich beschäftigt das Thema noch so lange, bis ich eine gute neue Stelle gefunden habe und ich über diese Erfahrung mit dem letzten Arbeitgeber herzlich lachen kann. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas jemals erleben würde.

Zitat:



In meinem Berufsleben hatte ich ca. dreißig verschiedene Arbeitgeber. Die meisten von ihnen schrieben mir ein Zeugnis. Aus dieser Erfahrung heraus schreibe ich Dir, dass viele Arbeitgeber oder deren Personaler sich mit Zeugnisschlüsseln nicht beschäftigen. Daher wirken die Zeugnisse manchmal etwas "zweifelhaft". Natürlich trifft die Aussage nicht für jeden Arbeitgeber zu und wahrscheinlich auch nicht für die großen Arbeitgeber, die studierte Personaler eingestellt haben.




Das ist ein reicher Erfahrungsschatz. Studierte Personaler in dem Sinn gibt es bei meinem Ex-Arbeitgeber nicht. Das Problem ist, dass ich ziemlich sicher bin, dass eine der Hauptmobberinnen das Zeugnis ausgestellt hat und sich der Wirkung der Worte gerade deshalb wohl sehr sicher gewesen war.

Ich habe mich daran orientiert (nur als Beispiel für die Formelhaftigkeit):
Stets äußerst zuverlässig = Note 1
Stets zuverlässig = Note 2
Zuverlässig = Note 3 – und wenn man Bewertungen so verfolgt, gilt Note 2 schon als Durchschnitt.

Zitat:


Auf dieser Plattform schreibe ich seit über zehn Jahre und habe mir einen Schreibstil angeeignet, von dem ich nicht abweiche. Zum Beispiel würde ich nie das Wort "stets" viermal in einem Zeugnis verwenden, nur weil es mir ein Zeugnisschlüssel vorschreibt. Diesen können viele Menschen nicht deuten, weil er u. a. auch keine Standardisierungen vorgibt.



Ich selbst bin auch absolut kein Fan von diesem fast schon oberlehrerhaften „stets“, es scheint für mich aber laut Recherche (ich war auf unzähligen Seiten unterwegs und habe in anderen Foren gelesen) nach wie vor das Signal zu sein, auf das Personaler Wert legen. Klar ist das in kleineren Firmen anders, aber da es in meiner Branche sicher mehr Stellen als Bewerber gibt, könnte das ein ausschlag gebendes Argument sein. Klar verlinke ich auch Beiträge und lege Texte als Arbeitsproben bei – aber die Kosten eben Zeit und Interesse.

Zitat:



Nur eine hohe Leistungsbereitschaft zu zeigen, ist meinem Erachten nach zu wenig. Mir fehlt die Aussage, dass Du tatsächlich was geleistet hast.
Auch wenn Du jederzeit flexibel einsetzbar warst, heißt das ja noch lange nicht, dass Du auch eingesetzt wurdest. Wink



Danke! Super. Das ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Da hast du vollkommen Recht. Die aktive Form klingt um Welten besser und sagt mehr aus.

Zitat:



Der Satz wäre so sympathischer:
Zitat:
Herr xy verlässt das Unternehmen am xx.xx.xxxx. Wir bedauern das aufrichtig und bedanken uns für die effiziente Zusammenarbeit. Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Herrn xy weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen. Gerne verbürgen wir uns als Referenz und sprechen für Herrn xy eine Einstellungsempfehlung aus.

So schreibt kein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeiter gefeuert hat. Von dem Gedanken würde ich mich trennen.



Das wäre dort auch etwas zu viel verlangt. Nur die Bedauernsformel wäre gut. Allein schon aus Anstand gegenüber dem dort Erlebten. Da hat einfach nichts gepasst.

Zitat:


Falls Dir das schlechte Zeugnis große Sorgen bereitet, kannst Du in einer Dritten Seite erklären, warum Dein Zeugnis in mancher Hinsicht etwas abfällt:
https://www.bewerbung-tipps.com/bewerbungsunterlagen/dritte_seite.php


Meine Mappe ist samt Arbeitsproben schon recht umfangreich, bin mir nicht sicher, ob das dann nicht zu viel des Guten sein würde.

Erfahrungen sind ja immer relativ, aber du kannst dir vorstellen, dass es bei den Erwartungshaltungen ungefähr so aussah:

Ich:
Endlich kann ich das, was ich aktiv an der Uni und bei meiner selbständigen Arbeit gelernt habe umsetzen und schnell dazulernen. Auch im Austausch mit dem bisher gelernten und angewandten Wissen. Mein Wunscharbeitgeber, deshalb bin ich motiviert bis in die Fingerspitzen. Bei fachlichen Fragen bekomme ich sicher Feedback und kann mich austauschen. Ich freue mich auf die netten Kollegen, denn bisher habe ich mich noch mit allen verstanden, mit denen ich beruflich zu tun hatte.

Der AG:
Jetzt haben wir wieder jemanden, den wir nach unseren Wünschen formen können, der 24h einsatzbereit ist, stets ja sagt, ohne nachzufragen und all das Gelernte über Bord wirft. Egal, ob er Berufspraxis und professionelle Sprecherziehung hatte, wir messen ihn trotzdem an den Leuten, die nach zwei Jahren noch krasse Fehler und selbst Basics, die man in der ersten Stunde lernt, noch falsch machen. Wenn er uns mit seinem eigenen Fachwissen oder Gelerntem kommt, sagen wir ihm, er soll „einfach mal die Klappe halten, als erster kommen und als letzter gehen“, auch wenn er das sowieso macht.
Zum Schluss geben wir uns als Ansprechpartner aus, zu denen man jederzeit kommen kann, wenn der Mitarbeiter etwas auf dem Herzen hat. Selbst sorgen wir aber stets (da ist das Wort wieder*g*) mit streng prüfenden Blicken und ohne ein aufmunterndes Wort dafür, dass er das nicht tut.
Sorry, jetzt bin ich abgeschweift. Aber allein darüber könnte ich einen Artikel schreiben, den sicher viele Medienschaffende abnicken würden.

Aber:
Ich danke dir nochmals für deine Hilfe. Auch wenn es ein paar Foren dafür gibt, das Interesse zu helfen ist meist doch gering und viele Antworten hier im Forum sind ja doch nur verdeckte Werbung!
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Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
29.07.2019 14:47
Hallo, jetzt bin ich's nochmal mit einer Ergänzung.

Zitat:


Dennoch ist der zweite Satz wieder etwas schwammig: "... war jederzeit flexibel einsetzbar".

Auch wenn Du jederzeit flexibel einsetzbar warst, heißt das ja noch lange nicht, dass Du auch eingesetzt wurdest. Wink
So wäre der Satz aussagekräftiger:

"Schon nach kurzer Einarbeitungszeit wurde er aufgrund seines Könnens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft vielseitig eingesetzt."



Ist das dann nicht die Passivierungstechnik?
"Bei dieser Technik werden gehäuft Passivierungen gewählt. So soll der Mitarbeiter als unselbständig sowie initiativ- und erfolglos dargestellt werden.

Passivierungen sind z.B. “wurde eingesetzt”, “wurde ihr übertragen”, “wurde beschäftigt” oder “hatte zu erledigen”.


oder denke ich einfach wieder zu verkopft?
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Senfdazugeber
Gast




Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
29.07.2019 22:46
Hallo Ginger Nuts,

Zitat:



Herr xy zeigte ein hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.
Schon nach kurzer Einarbeitungszeit war er aufgrund seines Könnens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft jederzeit flexible einsetzbar.



Zitat:



Ist das dann nicht die Passivierungstechnik?
"Bei dieser Technik werden gehäuft Passivierungen gewählt. So soll der Mitarbeiter als unselbständig sowie initiativ- und erfolglos dargestellt werden.

Passivierungen sind z.B. “wurde eingesetzt”, “wurde ihr übertragen”, “wurde beschäftigt” oder “hatte zu erledigen”.


ich weiß es nicht, denke aber, dass die Formulierung nichts mit einer "Passivform" zu tun hat, weil Du als Subjekt benannt bist.

Für mich hat die Formulierung nichts Verbindliches und lässt den Leser im Ungewissen. Der Schreiber (m/w) legt sich nicht fest, ob eine Tätigkeit ausgeübt wurde, sondern begründet nur die Möglichkeit Deines Einsatzes (Herr xy ist flexibel einsetzbar, weil er ...).

------------------------------------------------

Wichtig ist, dass der Schreiber diese "Unverbindlichkeiten" aus der Formulierung nimmt und sich festlegend zu Deinen Leistungen äußert.
Darauf solltest Du hinweisen, wenn Du das Zeugnis beanstandest. Wink

---------------------------------------------------

Mit einer Mitteilung, ob Du das gewünschte Zeugnis bekommen hast, würdest Du mir eine große Freude bereiten. Damit Dein Bestreben in Erfüllung geht, drücke ich Dir ganz fest die Daumen. Very Happy

Mit lieben Grüßen

Senfdazugeber
Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
30.07.2019 22:46
Hallo Senfdazugeber,

wenn man sich lange genug mit einem Thema beschäftigt, neigt man wohl dazu, paranoid zu werden Very Happy Heute lese ich da auch nichts negatives mehr raus...

Anschreiben und korrigiertes Zeugnis stehen jetzt und gehen morgen raus.
Der Ton ist natürlich freundlich und es wird selbstverständlich um Korrektur "gebeten" und nicht gefordert, dabei werden die zu korrigierenden Sätze aufgezählt.
Orientiert habe ich mich an der Vorlage von hier, schien mir am passendsten zu sein.
https://www.bewerbung-tipps.com/blog/arbeitsaustritt/arbeitszeugnis-korrigieren-lassen/

Die Korrekturen habe ich jetzt nicht farblich herausgehoben, da es sich ja um einen Geschäftsbrief handelt.

Auf die Reaktion bin ich sehr gespannt. Ich bin mir nicht sicher, ob die Firma mir überhaupt entgegenkommen wird.

Gern halte ich dich auf dem Laufenden - Die Frist habe ich ziemlich knapp gesetzt, da ich das Zeugnis im Fall einer Einladung zum Vorstellungsgespräch mitbringen möchte.
(Das aktuelle lege ich nicht mit in die Mappe)

PS: Würde mich freuen, wenn du auch mal über mein neues Bewerbungsanschreiben lesen könntest. Das wird morgen Abend online sein. Wenn ich es schaffe, sind es sogar zwei. Zumindest eines davon muss am 01.08. raus, da ich die Anzeige ziemlich kurzfristig entdeckt habe.

Viele Grüße und bis bald![url][/url]
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Senfdazugeber
Gast




Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
31.07.2019 17:14
Hallo Ginger Nuts,

ja, manchmal steigert man sich in etwas hinein. Leider bin ich von diesem "Phänomen" auch betroffen. Smile

Zitat:


Anschreiben und korrigiertes Zeugnis stehen jetzt und gehen morgen raus.
Der Ton ist natürlich freundlich und es wird selbstverständlich um Korrektur "gebeten" und nicht gefordert, dabei werden die zu korrigierenden Sätze aufgezählt.
Orientiert habe ich mich an der Vorlage von hier, schien mir am passendsten zu sein.


Das hast Du gut gemacht. Die Firma soll nicht gleich einen Grund geliefert bekommen, stur zu reagieren. Deshalb muss der gute Ton am Anfang gewahrt bleiben. Die Tipps, die man/frau hier auf dieser Plattform findet, sind überwiegend brauchbar und eine gute Orientierungshilfe. Wink

Zitat:


Ich bin mir nicht sicher, ob die Firma mir überhaupt entgegenkommen wird.


Eigentlich ist die Firma dazu verpflichtet, weil einige Textpassagen der Zeugnisformulierung Fragen beim Leser offen lassen und meinem Erachten nach negativ (Wohlwollen verhindernd) gedeutet werden können. Meine Meinung hierüber teilte ich Dir schon mit. Wink

Auf die verbesserungsbedürftigen Sätze hast Du ja hingewiesen — und hoffentlich genau beschrieben, wie die Passagen, Deinem Erachten nach, korrigiert werden müssen.

Zitat:


Gern halte ich dich auf dem Laufenden ...


Darüber würde ich mich sehr freuen. Very Happy

Zitat:


PS: Würde mich freuen, wenn du auch mal über mein neues Bewerbungsanschreiben lesen könntest. Das wird morgen Abend online sein. Wenn ich es schaffe, sind es sogar zwei. Zumindest eines davon muss am 01.08. raus, da ich die Anzeige ziemlich kurzfristig entdeckt habe.


Klar, mach ich. Allerdings ist die Zeitspanne so kurz, dass eine ansprechende Korrektur nicht möglich ist — es sei denn, Du wärest ein erfahrener Anschreibenverfasser. Wink

------------------

Nichtsdestotrotz hänge ich noch ein paar Regeln/Tipps/Anregungen/Formulierungsmöglichkeiten an, die ich zusammengefasst habe:

Einleitung:
1. Bezug zum Unternehmen herstellen (was verbindet mich mit dem Unternehmen).
2. Motivation verdeutlichen (warum diese Arbeit bei diesem Unternehmen).
3. Das Unternehmen loben (nicht übertreiben).
4. Erwähnen, was ich für das Unternehmen leisten will (wie bringe/setze ich mich ein).
5. Auf Qualifikation hinweisen (Erwähnung Deiner Kompetenzen).
6. Auf die Vorteile hinweisen, die das Unternehmen hat, dank Deiner Mitarbeit.
7. Verständlich machen, dass Du wirklich Interesse an der angebotenen Stelle hast und Freude, Spaß wie auch Lust damit verbindest. Die Beschreibung Deiner Motivation sollte fühlbar werden.
8. Der Ansprechpartner(in) sollte persönlich angeschrieben werden (z. B., Sehr geehrter Herr Müller,)

Hauptteil:
1. Schilderung Deiner Qualifikation (was kann ich).
2. Aufzählung Deiner Tätigkeiten vergangener Tage (was habe ich gemacht).
3. Beteuerung Deiner Leistungsbereitschaft (was bringe ich dem Unternehmen).
4. Schilderung Deiner bewiesenen Stärken (was zeichnet mich aus). Eine glaubhafte "Hintergrundgeschichte" kann hier den Wahrheitsgehalt stützen.

Abschluss:
1. Ein freundlicher Abschlusssatz, der zeigt, dass Du ein freundlicher, sympathischer Mensch bist (die Chemie muss stimmen) und Dich richtig auf die Arbeit freust.
2. Bekundung Deiner Freude auf ein Vorstellungsgespräch.
3. Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“.
4. Postskriptum - dieses bleibt dem Personaler in Erinnerung.

Diese Ausdrucksweisen und Formulierungen sollten im Anschreiben keine Verwendung finden:

1. Übertriebene Beschreibung der eigenen Vorteile, die man aus der Einstellung zieht.
2. Keine „Nullaussagen“ formulieren, z. B., „Allgemeine Bürotätigkeiten sind für mich selbstverständlich.“. Dieser Satz enthält keine verwertbare Information - besonders wenn ihn eine Büroangestellte(r) schreibt.
3. Keine Negativmotivation zu erkennen geben, z. B., „Ich habe bis zuletzt auf Besseres gehofft und ...“
4. Vermeide Negationen (keine, nicht / „Leider bringe ich keine Erfahrungen mit ...“ / „Da ich die Ausbildung nicht beendet habe ...“
5. Vermeide Negativa (Schattenseiten, Schwächen / „... der Umgang mit EDV-Programmen stellt für mich kein Problem dar“ Das Wort „Problem“ sollte in Deinem Vokabular fehlen.
6. Vermeide Redundanzen (das Vorhandensein von eigentlich überflüssigen Elementen, die für die Information nicht notwendig sind; über­häu­fen mit Merkmalen; dop­pelt ge­mop­pelte Informationen.
7. Nicht im Konjunktiv schreiben (Nicht etwas nur mittelbar und ohne Gewähr be­schrei­ben / „Über ein Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen“ / Die Wörter „könnte“ und „möchte“ sind auch verpönt).
8. Sätze nicht mit „Ich“ beginnen. Der Personaler glaubt sonst Du seiest egozentrisch.
9. „Ich hoffe“, ist eine Ausdrucksweise, die eine Unsicherheit erkennbar macht.
10. Nicht den Lebenslauf abschreiben. Manche Erwähnungen aus dem Lebenslauf, besonders die werbewirksamen und herausragenden Fakten, kannst Du benennen.
11. Nicht die Anforderungen aus dem Stellenangebot abschreiben. Wenn Du Dich auf diese beziehst, wähle andere Worte sonst wirkt die Formulierung einfalls- und lustlos. Der Personaler erkennt darin, dass der Bewerber(in) sich wenig bemüht hat, und schließt so auf Deine Arbeitsweise.
12.Vermeide passive Schreibweisen. Schreibe (bespielsweise) nicht: „Dank der Weiterbildung zum Staatlich geprüften Maschinenbautechniker konnte ich mein Fachwissen in verschiedenen Bereichen erweitern.“, sondern, „Dank meiner Weiterbildung zum Staatlich geprüften Maschinenbautechniker erweiterte ich mein Fachwissen in verschiedensten Bereichen.“ Beuge das Verb (in dem Fall "erweiterte").
13. Das Wort "Durch" wird auch in passivischen Sätzen, wenn nicht der eigentliche, der unmittelbare Träger des Geschehens bezeichnet wird, eingesetzt. Deshalb ersetze ich es durch "Anhand", "Dank", "Wegen", "Aufgrund", "Infolge" oder "Angesichts".
14. Den Ausdruck, "... bin ich in der Lage, ...", vermeide ich, weil dieser nicht gewährleistet, dass Gemeinte auch zu machen (obwohl man dazu in der Lage wäre).
15. Keine Formulierungen und Substantive (Hauptwörter) doppelt verwenden. Benutze Sy­n­o­nyme. Der Personaler erkennt darin eine gewisse Faulheit und/oder einen geringen Wortschatz.

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Ich wünsche Dir gutes Gelingen und bin gespannt auf Dein Bewerbungsanschreiben.

Bis dahin gehab dich wohl.

Mit lieben Grüßen Very Happy

Senfdazugeber
Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
31.07.2019 20:05
Hi!

Nur ganz kurz: Ich danke dir für diesen kurzen Überblick und gehe gerade mein Anschreiben noch einmal durch. Ich bin zwar nicht ungeübt, aber die Struktur lässt sich immer straffen.
Meist sind es die Kleinigkeiten, die aufhalten (wie schaffe ich die Brücke von a nach b...) Daran hänge ich gerade.
Vielleicht schaust du später ja noch rein oder morgen im Lauf des Tages. Sonst ist das Forum ja leider relativ schlecht besucht und natürlich ist meine Deadline kurz.
Wegschicken werden ich es erst gegen morgen Abend, geht zum Glück per Mail Smile

Schöne Grüße, wir lesen uns später Smile
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Ginger Nuts
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Anmeldungsdatum: 26.07.2019
Beiträge: 10
Zu: Korrektur eines richtig schlechten Zeugnisses - so ok?
23.08.2019 19:45
Hello again,

mittlerweile habe ich eine Korrektur des Zeugnisses erhalten und bin recht zufrieden damit.
Die Tätigkeitsfelder wurden wunschgemäß ergänzt und der Rest liest sich jetzt so:

Herr xy zeichnete sich durch stets gute Leistungen und ein hohes Maß an Eigeninitiative aus. Schon nach kurzer Einarbeitungszeit wurde er aufgrund seines guten Fachwissens, seiner verlässlichen Arbeitsweise und seiner Verantwortungsbereitschaft jederzeit flexibel eingesetzt.

Herr xy arbeitete sich sehr gut in ein Thema ein und stellte die für ein Nachrichtenmagazin wesentlichen Aspekte sachlich und verständlich dar. Seine Kreativität und die gute Fähigkeit, Themen fernsehgerecht umzusetzen, zeichnen ihn aus. Er arbeitet stets zuverlässig und selbständig und ist auch außerordentlicher Belastung jederzeit gewachsen.

Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte Herr xy stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Durch sein kollegiales und freundliches Verhalten war Herr xy bei Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion und Technik gleichermaßen beliebt. Sein persönliches Verhalten war stets einwandfrei.

Herr xy verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 31.12.2018. Wir danken ihm für seine immer gute Mitarbeit und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.


Die Gründe für nicht übernommene Formulierungen wurden im Begleitschreiben erläutert:

- Fachwissen erweitern ginge nicht in drei Monaten.
- Zu viel "stets" - das können man erst nach einer längeren Tätigkeit schreiben. Es werde auf angebrachtes Maß reduziert
- Auf Bedauern wurde natürlich verzichtet, da rechtlich kein Anspruch darauf bestünde (wusste ich ja, hatte ich auch nicht anders erwartet).
- Witzig fand ich noch den Hinweis, dass ein Zeugnis auf den letzten Arbeitstag datiert sein müsse - ich hatte die Daten selbst von der Firma so übernommen Smile
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