Lampenfieber vor dem Vorstellungsgespräch

Angstschweiß, Lampenfieber und ein flaues Gefühl im Magen - Aufregung vor dem Vorstellungsgespräch ist vollkommen normal. Die Ursachen sind allerdings von Bewerber zu Bewerber unterschiedlich. Finden Sie hier 10 Tipps, um Ihre Angst zu überwinden und selbstbewusst im Bewerbungsgespräch aufzutreten.

Lampenfieber vor dem Vorstellungsgespräch

10 Tipps, um Ihre Angst vor dem Vorstellungsgespräch zu lindern

Autor: Dipl.-Wirt.-Inf.
Beitrag aktualisiert: 26.06.2020
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Tipp 1: Machen Sie sich mit dem Ablauf eines Vorstellungsgesprächs vertraut

Angst haben wir vor dem Unbekannten. Für ein selbstbewusstes Auftreten ist es also wichtig, dass Sie wissen, was auf Sie im Bewerbungsgespräch zukommt. Beschäftigen Sie sich möglichst früh und umfassend mit den Inhalten eines Vorstellungsgesprächs. Der grundlegende Ablauf ist bei den meisten Firmen mit folgenden Gesprächsphasen identisch:

  • Begrüßung
  • Das Unternehmen stellt sich vor
  • Sie präsentieren sich dem Unternehmen (Selbstpräsentation)
  • Das Unternehmen befragt Sie zu fachlichen sowie persönlichen Fähigkeiten und nimmt dazu Bezug zu den Stelleninhalten und Stellenanforderungen
  • Sie stellen Ihre Fragen
  • Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung

Für gewöhnlich nimmt der Personalverantwortliche und jemand aus der Fachabteilung an dem Gespräch teil. Bei Bewerbungsgesprächen im öffentlichen Dienst sind erfahrungsgemäß noch weitere Gesprächspartner, wie eine Gleichstellungsbeauftragte oder Frauenbeauftragte, eingebunden. Um den Rahmen dieses Beitrags nicht zu sprengen, empfehlen wir Ihnen an dieser Stelle unsere Beitragsreihe „Phasen im Vorstellungsgespräch“. Dort wird jede Gesprächsphase umfassend erklärt.

Auch auf die Fragen des Unternehmens können Sie sich vorbereiten. Die Fragen umfassen häufig Standardfragen, wie:

  • Warum sollen wir gerade Sie einstellen?
  • Was unterscheidet Sie von anderen Bewerbern?
  • Welche Kenntnisse bringen Sie für die ausgeschriebene Stelle mit?

Nutzen Sie unseren Fragenkatalog, um typische Fragen im Vorstellungsgespräch zu beantworten.

Neben den Standardfragen gibt es Fragen, die sich aus Ihrem persönlichen Profil und Situation ableiten. Haben Sie vielleicht Lücken in Ihrer beruflichen Entwicklung? Haben Sie mehrere Ausbildungen absolviert? Gibt es häufige Wechsel oder einen zeitnahen Wohnortwechsel? Bereiten Sie dazu Antworten vor.

Die Antworten sollten Sie nicht auswendig lernen. Im Vorstellungsgespräch würde das unnatürlich und einstudiert wirken.

Sie sehen, das Vorstellungsgespräch ist kein Mysterium. Dadurch, dass Sie wissen, was Sie im Vorstellungsgespräch erwartet, wird Ihre Nervosität gelöst.

Tipp 2: Informieren Sie sich über das Unternehmen

Auch die gründliche Auseinandersetzung mit dem Unternehmen wird Ihre Angst vor dem Vorstellungsgespräch lindern und ist daher zwingende Voraussetzung für Ihren Erfolg. Beginnen Sie bereits frühzeitig mit der Informationsrecherche – eigentlich sollte das bereits beim Schreiben der Bewerbung stattgefunden haben. Als Informationsquelle können Sie die Firmenwebseite nutzen. Unter Umständen finden Sie sogar Informationen zu Ihren Ansprechpartnern. Machen Sie sich Notizen auf Papier. So prägen sich die Informationen besser ein.

Dinge, die Sie als besonders interessant empfinden, können Sie später im Vorstellungsgespräch erwähnen. Sie zeigen damit Ihr Engagement und belegen, dass Sie sich mit dem Unternehmen wirklich auseinandergesetzt haben.

Das Vorstellungsgespräch ist kein einseitiges Frage-Antwort-Spiel, denn auch von Ihnen wird erwartet, dass Sie Fragen stellen. Entwerfen Sie dazu einen Fragenkatalog und achten Sie darauf, dass Sie sich die Fragen aus den Recherchen nicht selbst beantworten können.

Natürlich können Sie auch den Firmenstandort schon vorher besuchen. Am Tag des Vorstellungsgesprächs wirkt die Umgebung dann vertrauter.

Tipp 3: Bereiten Sie eine Selbstpräsentation vor

In der Selbstpräsentation stellen Sie sich dem Unternehmen vor. Inhaltlich ist das aber kein ausformulierter Lebenslauf! Vielmehr ist das Wissen über die eigenen Stärken und Schwächen die Grundlage für die Selbstpräsentation.

Beachten Sie, dass eine Selbstpräsentation nicht in Stein gemeißelt ist, sondern von Stelle zu Stelle und Unternehmen zu Unternehmen variiert. Besonderer Wert wird auf Rückschlüsse von Qualifikationen auf konkrete Stellenanforderungen gelegt. Heben Sie also Punkte hervor, die wichtig für die Stelle sind oder sein könnten. Durch das Einbeziehen der Stelle und des Unternehmens wird das Gespräch freier und das Gespräch entwickelt sich vom Frage-Antwort-Spiel zum Dialog. Wie in der Bewerbung selbst, beschränken Sie sich ausschließlich auf die beschreibende, sachliche Darstellung der eigenen Qualifikationen und Fähigkeiten.

Auch für Sie selbst ist das Erkennen der persönlichen Schwächen sehr wichtig. Schließlich können Sie nur so an Ihren Schwächen arbeiten und Maßnahmen ableiten, die Schwächen vielleicht zu Stärken machen.

Tipp 4: Übung macht den Meister

Üben Sie das Vorstellungsgespräch als Rollenspiel mit Ihren Eltern oder Partner. Dadurch werden Sie in Ihren Antworten selbstsicherer und erhalten direktes Feedback zu Ihrem Auftreten. Auch Ihre Stressgesten lassen sich so besser erkennen. Das Üben vor dem Spiegel ist ebenfalls zu empfehlen.

Tipp 5: Entwickeln Sie eine positive Einstellung zum Vorstellungsgespräch

Eine positive Einstellung wandelt Angst in Motivation um. Gehen Sie optimistisch in das Gespräch und machen Sie sich klar, dass es bei dem Gespräch nicht um alles oder nichts geht. Was würde sich bei einem negativen Ausgang für Sie ändern? Analysieren Sie die Vorteile und Nachteile. Sie werden sehen, dass auch eine Niederlage positive Effekte bringt. Schließlich sammeln Sie Erfahrung und im nächsten Vorstellungsgespräch wissen Sie noch besser, was auf Sie zukommt. Versteifen Sie sich nicht zu sehr auf die Stelle, bauen Sie dadurch Druck ab und erkennen Sie auch Niederlagen als (zukünftigen) Vorteil an.

Das Vorstellungsgespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Sehen Sie das Gespräch doch mal nicht nur von der Sicht eines Bittstellers. Was spricht Sie an dem Unternehmen als Arbeitgeber an? Warum möchten Sie dort arbeiten?

Zudem konkurrieren in Zeiten des Fachkräftemangels viele Firmen untereinander um potentielle Mitarbeiter. Bewerber haben also gute Karten. Sehen Sie sich von Anfang an selbst als Bereicherung für das Unternehmen!

Tipp 6: Fühlen Sie sich im Vorstellungsgespräch wohl

Ein wesentlicher Aspekt für den Wohlfühlfaktor ist die Kleidung. Aber was zieht man im Vorstellungsgespräch eigentlich an? Nein, Sie kleiden sich nicht so, wie Sie später arbeiten werden! Vielmehr wählen Sie das Outfit, wie Sie das Unternehmen nach Außen gegenüber Kunden und Partners vertreten würden. Ausgewaschene Jeans und altes Schuhwerk gehören nicht dazu. Um Zweifel gehen Sie lieber overdressed, als underdressed.

Tipp 7: Belohnen Sie sich selbst

Das klappt auch bei jeder anderen Prüfung: Freuen Sie sich auf etwas, indem Sie sich für die Teilnahme eine Belohnung in Aussicht stellen. Wichtig ist, dass die Belohnung „konkret“ ist. Das kann ein schönes Abendessen oder ein Kinobesuch sein. Die Belohnung wird in jedem Fall – unabhängig vom Erfolg – gegeben.

Tipp 8: Der Tag davor

Den Abend vor dem Bewerbungsgespräch sollten Sie sich entspannen. Nehmen Sie ein Bad und gehen Sie früh zu Bett, damit Sie am nächsten Tag ausgeschlafen sind. Um Spannung abzubauen, bieten sich Sport und Entspannungsübungen ab. Sie können sich gern mal richtig auspowern. Auch autogenes Training und progressive Muskelentspannung tragen zur Entspannung bei.

Vermeiden Sie jeglichen Stress für den nächsten Tag. Legen Sie daher schon am Tag vorher Ihre Kleidung zurecht (Taschentuch nicht vergessen!) und planen Sie die Anreise. Für das Vorstellungsgespräch nehmen Sie mit:

  • Notizblock mit Stift
  • Katalog mit Ihren Fragen an das Unternehmen
  • Ausgedruckte Bewerbungsmappe
  • Einladung zum Vorstellungsgespräch
  • Angeforderte Unterlagen, wie zum Beispiel der ausgefüllte Personalbogen
  • Ihr Personalausweis

Tipp 9: Direkt vor dem Vorstellungsgespräch

Reisen Sie mit genügend Zeitpuffer an. Das vermeidet unnötigen Stress durch Zeitdruck. Mit dem innerlichen Durchgehen der Fragen und Antworten sollten Sie nun aufhören. Sie brauchen einen freien Kopf.

Nervosität führt zu einer flachen und schnellen Atmung. Atmen Sie daher tief ein und aus, bevor Sie durch die Tür gehen. Das baut zudem Spannungen ab und wirkt sich positiv auf Ihre Stimmlage und das Sprechtempo aus.

Diese Selbstverständlichkeit wird oft vergessen: Schalten Sie unbedingt Ihr Mobiltelefon aus! Nichts ist peinlicher als ein Anruf während des Vorstellungsgespräch oder störendes Piepen.

Tipp 10: Während des Vorstellungsgesprächs

Nehmen Sie auf eine aufrechte, nicht verkrampfte Sitzhaltung ein und verknoten Sie die Beine nicht. Dadurch lösen Sie Anspannungen. Klammern Sie sich auch nicht am Stuhl fest. Gern können Sie etwas vorübergebeugt sitzen.

Starren Sie nicht auf den Boden, sondern signalisieren Sie Ihr Selbstbewusstsein mit einem gesunden Maß an Blickkontakt. Starren Sie Ihre Gesprächspartner nicht an!

Wenn es trotz aller Tipps zu einem Blackout kommen sollte, bitten Sie um eine kurze Pause, um sich wieder zu fangen. Nervosität ist nichts, wovor Sie sich verstecken müssen.

Ein Tipp zum Abschluss!

Wenn alle Entspannungsübungen nicht helfen, können Sie auch ein externes Bewerbungscoaching, den Besuch von Kursen für Entspannungsverfahren oder Psychotherapie in Betracht ziehen.

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