Bewerbungsgespräch in Corona-Zeiten

Bewerbungsgespräch in Corona-Zeiten

Bewerbungsgespräche – so werden sie in der Corona-Pandemie geführt

Autor: Dipl.-Wirt.-Inf.
Beitrag aktualisiert: 04.11.2020
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Der Status Quo

Corona hat unsere Gesellschaft und unsere Gewohnheiten gehörig durcheinandergewirbelt. Das Geschäftsleben erfuhr einschneidende und grundlegende Veränderungen. Gleichzeitig wirkt das Virus wie ein Vehikel, das bisher unmögliche Dinge plötzlich greifbar macht. Home-Office, Webinare, ganze Konferenzen – alles findet online statt, um persönlichen Kontakt weitestgehend einzuschränken.

Und auch, wer auf Job-Suche ist, sieht sich mit völlig neuen Szenarien konfrontiert. Denn Bewerbungsgespräche sind nicht mehr ohne Weiteres möglich. Je nach Form des Interviews müssen Vorkehrungen getroffen werden, sowohl durch den Bewerber als auch das Unternehmen.

Die Besonderheiten in der Pandemie

Zwar griffen manche Unternehmen zu drastischen Maßnahmen und verhängten aufgrund der aktuellen Situation einen Einstellungsstopp, doch längst nicht alle haben ihr Recruiting vollständig reduziert. Noch weiß keiner genau, wie sich die wirtschaftliche Situation weiterentwickelt und es scheint bisher auch nicht absehbar. Dennoch können es sich gerade große Firmen nicht leisten, ihre Personalbeschaffung auszusetzen.

Die Zeit nach der Krise kommt – und sie kommt unter Umständen schneller als gedacht. Nicht, weil Corona verschwindet, sondern weil sich sowohl Gesellschaft als auch Wirtschaft an die veränderten Anforderungen und Rahmenbedingungen anpassen müssen. Im Zuge dessen digitalisieren Unternehmen ihre Prozesse vermehrt – ein wichtiger Schritt in Richtung Arbeitsplatz der Zukunft. Teil dieser Digitalisierungsstrategie ist auch der Bewerbungsprozess.

Das Bewerben an sich

Zwar hat sich der Ablauf von Vorstellungsgesprächen verändert, der Bewerbungsprozess an sich bleibt aber weitestgehend gleich. Schon vor Corona lief die Bewerbung über Portale oder per E-Mail ab, Bewerbungen in Papierform waren nur noch in Ausnahmefällen gewünscht. Corona zwingt viele Unternehmen, ihre Recruitingprozesse auf online umzustellen.

Dennoch ist die aktuelle Situation eine andere als bisher. Bis Personalabteilungen auf Bewerbungen reagieren, kann unter Umständen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Sie sollten sich davon jedoch nicht entmutigen lassen und geduldig bleiben. Erhalten Sie über mehrere Wochen kein Feedback, dürfen Sie aber durchaus die Initiative ergreifen und nachhaken.

Manche Unternehmen agieren zudem vermehrt über Karrierenetzwerke und bauen sich so ihren Pool passender Bewerber für die Zeit nach Corona auf. Auf diese Weise können Sie nach der Krise schnell reagieren. Auch für Sie kann dieses Vorgehen durchaus Vorteile bergen. Pflegen Sie daher Ihr Online-Profil, sofern vorhanden, und zeigen Sie keine Scheu, mit Ihrem Wunschunternehmen online zu interagieren. Seien Sie proaktiv.

Sollten Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten ein solches Gespräch zu führen:

  • Treffen vor Ort unter Corona-Bedingungen
  • Gespräch per Computer

1. Das klassische Bewerbungsgespräch

Entscheidet sich das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben, tatsächlich für ein Gespräch vor Ort, kann dies verschiedene Gründe haben. Zum einen möchten Personaler sich nach wie vor gern einen persönlichen Eindruck verschaffen und sehen, ob die „Chemie“ stimmt. Zum anderen sind gerade kleinere oder alteingesessene Unternehmen mit digitalen Möglichkeiten und Prozessen noch nicht vertraut. Aus Unsicherheit oder Unwissen greifen sie auf die konservativen Formen zurück.

In diesem Fall gilt es, die Regeln des Social Distancing sowie bestimmte Hygienevorschriften einzuhalten. Dazu gehören in jedem Fall das Abstandsgebot von mindestens anderthalb Metern und das Tragen einer Maske. Auf den Händedruck sollten Sie verzichten und Ihren Gesprächspartner besser mit einem freundlichen Lächeln begrüßen. Auch die individuellen Regeln des Unternehmens müssen eingehalten werden. Das Unternehmen hat indes ebenso dafür Sorge zu tragen, geeignete Räumlichkeiten für das Bewerbungsgespräch zur Verfügung zu stellen. Das können entweder große Besprechungsräume oder – sofern es das Wetter zulässt – auch offene Sitzgelegenheiten im Freien sein. Nur so kann der erforderliche Mindestabstand von beiden Seite eingehalten werden.

Ist dies nicht möglich, können beispielsweise transparente Abtrennungen aus Plexiglas Abhilfe schaffen. Sie sollten in jedem Fall daran denken, dass auch der künftige Arbeitgeber bestrebt ist, eine Vor-Ort-Situation angenehm und sicher zu gestalten.

Die Entscheidung für einen Vor-Ort-Termin ist keine einseitige Entscheidung. Sind Sie sich unsicher, zögern Sie sich, dem Arbeitgeber eine alternative Möglichkeite des Kennenlernens – etwas ein Telefoninterview – aktiv vorzuschlagen.

Bewerbungsgespräch ohne persönlichen Kontakt

Telefonisches Bewerbungsgespräch

Erfolgt das Bewerbungsgespräch per Telefon, sollten Sie einige Dinge beachten. Das Transportieren von Emotionen fehlt in Telefoninterviews beispielsweise völlig. Um eine positive und wohlwollende Atmosphäre zu schaffen, sollten Sie Ihr Lächeln am Telefon beibehalten. In den meisten Fällen sitzen die Mitglieder der Personalabteilung ebenfalls zu Hause – und befinden sich damit in ähnlichen Bedingungen wie Sie selbst. Hintergrundgeräusche von Kindern oder Haushaltsgeräten können als Anlass dienen, das Gespräch auf eine etwas persönlichere Ebene zu heben – natürlich nur dann, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Telefonbewerbung

Die telefonische Kontaktaufnahme vor Versendung der Bewerbungsunterlagen kann der Schlüssel für eine erfolgreiche Bewerbung sein. Wie Sie beim Telefonat vorgehen und was es zu beachten gibt, erfahren Sie auf hier.

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Sorgen Sie dennoch im Vorfeld des Telefonats für Ruhe und Ungestörtheit. Eliminieren Sie außerdem sämtliche Stressfaktoren, um sich voll auf das Gespräch konzentrieren zu können. Ob Sie dabei stehen oder sitzen, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass Sie sich wohlfühlen. Bereiten Sie sich im Vorfeld schon auf die Standardfragen vor und überlegen Sie sich passende, vielleicht sogar etwas außergewöhnliche Antworten.

Falls Sie nicht alle Stationen Ihres Lebenslaufs im Kopf haben, legen Sie eine ausgedruckte Version bereit. So können Sie auch detailliertere Nachfragen des Recruiters ohne unangenehme Pausen beantworten. Nicht nur der Recruiter informiert sich, auch Sie sollten sich über Ihr Gegenüber informieren. Das hilft Ihnen bei der Vorbereitung und dient der Einschätzung der Situation.

Spricht der Recruiter undeutlich, bricht die Verbindung ab oder haben Sie etwas nicht verstanden, dann scheuen Sie sich nicht nachzufragen. Fallen Sie Ihrem Gesprächspartner aber unter keinen Umständen ins Wort. Denken Sie auch daran, sich am Ende des Interviews persönlich von Ihrem Gesprächspartner zu verabschieden und seinen Namen in der Grußformel nochmals aufzugreifen.

2. Bewerbungsgespräch per Video (Telefonkonferenz)

Für beide Seiten ist ein Video-Interview oft neu und ungewohnt. Etwaige Pannen wie Unterbrechungen oder Verbindungsprobleme sind keine Seltenheit und sollten einkalkuliert sein.

Die Videosoftware wird vom Unternehmen bereitgestellt. Die meisten Unternehmen greifen dabei auf kostenlose Video-Software wie Skype oder Zoom zurück. Daneben sind auch Microsoft Teams und GoToMeeting sehr beliebt. Sie sollten im Vorfeld sicherstellen, dass Sie die Anforderungen der Programme kennen und verstehen. Idealerweise testen Sie die Video-Konferenz mit einem Bekannten im Vorfeld. Stellen Sie grundsätzlich sicher, dass Ihnen der Zugangslink zum Einwählen rechtzeitig zur Verfügung gestellt wird. In der Regel werden Ihnen die Zugangsdaten per E-Mail zugeschickt.

Vorstellungsgespräch per Skype Video Chat

Das Jobinterview per Skype wird oft zum Kennenlernen vor dem Vorstellungsgespräch durchgeführt. Einige Besonderheiten gibt es zu beachten!

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Testen Sie Ihre Internetverbindung. Wir empfehlen Ihnen, auf WLAN zu verzichten und stattdessen eine stabile, kabelgebundene DSL-Verbindung zu nutzen. Das Notebook sollte im Netzbetrieb laufen, damit Ihnen nicht während des Gesprächs unverhofft der Akku ausgeht.

Video-Interviews können ganz unterschiedlich ablaufen. Normalerweise dauern die Interviews zwischen dreißig und sechzig Minuten und folgen dem Muster eines „klassischen“ Bewerbungsgesprächs. Es kann aber auch vorkommen, dass der Recruiter eine Aufgabe stellt, für deren Lösung der Bewerber eine vorab festgelegte Zeit zur Verfügung gestellt bekommt. Danach präsentiert er seine Ergebnisse per Video-Call.

Sollten Sie sich in der engeren Auswahl befinden, ist es durchaus möglich, dass das gesamte (künftige) Team dem Video-Call beiwohnt. Ein solches Kennenlernen in Form einer Konferenz-Schaltung dauert in der Regel um die dreißig Minuten.

Auch für die Videokonferenz gilt: sollten Sie Ihren Gesprächspartner aufgrund der schlechten Verbindung nicht verstehen, so zögern Sie nicht, Ihn zu informieren. Aber auch hier ist Fingerspitzengefühl erforderlich, um ihn nicht unfreundlich ins Wort zu fallen.

Anbei noch einige Tipps für das erfolgreiche Video-Bewerbungsgespräch:

  • Die Anzugsordnung entspricht den Regeln im klassischen Vorstellungsgespräch.
  • Justieren Sie Ihre Webcam auf den richtigen Bildausschnitt und Blickwinkel.
  • Ein Headset mit eingebautem Mikrofon verbessert die Klangqualität.
  • Störgeräusche und Unterbrechungen sind auszuschalten. Ggf. einen Zettel an der Tür befestigen.
  • Wählen Sie einen neutralen Hintergrund. Oft bietet sich indirekte Beleuchtung an.
  • Testen Sie die gesamte Technik im Vorfeld mit einem Bekannten.

Wie im klassischen Bewerbungsgespräch wird vom Bewerber zudem Pünktlichkeit vorausgesetzt. Loggen Sie sich daher bereits ein oder zwei Minuten vor Meeting-Beginn in die Telefon-Konferenz ein.

Online-Assessment-Verfahren zur Bewerber-Selektion

Der eine oder andere Arbeitgeber selektiert seine Bewerber durch ein Online Assessment bereits im Vorfeld. Dieses Auswahlverfahren gewinnt zunehmend an Beliebtheit bei Arbeitgebern und sowohl Konzerne als auch mittelständische Unternehmen greifen darauf zurück. Um eine Vorab-Selektion unter Bewerbern durchzuführen, wenden Recruiter meist eignungsdiagnostische Online-Tests an. Auch Self-Assessments zählen zu den Auswahlverfahren der Personalabteilungen. Ziel ist es, herauszufinden, wie Sie arbeiten, wie Sie mit anderen umgehen und was Ihre Motivation ist.

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Dossier Vorstellungsgespräch


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